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Vegas-Action, Part #1

Von gefallener, 21.06.2009, 3019 Aufrufe, 39 Kommentare | Kommentar hinzufügen

Moin Intellis,

ist schon wieder einige Zeit her, seit ich mich gemeldet habe. Eigentlich wollte ich ja regelmäßig bloggen, aber ich habe einen wichtigen Faktor unterschätzt: meine chronische Faulheit. Einen Blog zu schreiben, benötigt immer einiges an Vorbereitungszeit, man muss Bilder knipsen und natürlich auch was zum Erzählen haben. Letzteres habe ich nun mehr als genug.

Seit dem 28. Mai bin ich nun schon in der Wüste Nevadas und habe mich mitlerweile ganz gut eingelebt. Vegas ist echt eine ziemlich aufregende und interessante Stadt mit schier unendlich vielen Möglichkeiten und ebenso vielen interessanten und lustigen Menschen. Dennoch hat Vegas einen kleinen bitteren Beigeschmack bei mir. Wenn man ein wenig hinter die Fassaden der neonbehangenen Hotels blickt, erkennt man den wahren Sinn der Stadt: abzuzocken! An jeder Ecke versucht jemand einen Touristen über den Tisch zu ziehen und auch die Hotels und Nachtclubs wollen nur das Geld der Touris  – und zwar möglichst viel und schnell und mit allen Mitteln. Das fängt bei "Kleinigkeiten" wie unübersichtlich konstruierten Casinos mit versteckten Ausgängen an und endet bei der Nachtclubrechnung, wo einfach bei der Bestellung die Steuern unterschlagen wurden. Mir wurde auch schon von einem jungen Russen am Tisch erzählt, dass er eine Nachtclub-Eintrittskarte am Strip gekauft hätte, die gefälscht war und ihm eine unangenehme Nacht im Knast einbrachte. Auch eine kostenlose Fahrt in einer Limo oder im Taxi hat immer einen Haken. Wenn man aber ein wenig aufpasst, kann man hier eine mordsgeile Zeit verbringen und gibt gern sein Geld aus.

Die ersten 16 Tage verbrachte ich im Imperial Palace Hotel (http://ww.imperialpalace.com/), das für den Preis einfach absolut klasse ist. Okay, die Zimmer sind jetzt nichts Besonderes, haben aber ein Bett und ne Dusche – das reicht völlig. Viel wichtiger ist die perfekte Lage: Links ist man in fünf Minuten im Bellagio, gegenüber ist das Caesars Palace und rechts liegt das Venetian. Sollte man auf besoffene Touristinnen stehen, grenzt das IP direkt an O’Shea’s. Dort geht am Wochenende mächtig die Post ab. Eigentlich ist es ein normales irisch angehauchtes Casino, aber am Wochenende treffen sich dort scheinbar alle besoffenen Mädels und spielen Beer-Pong (sowas wie Tischtennis: Beliebig viele Spieler stehen sich auf zwei Seiten eines Tisches gegenüber und versuchen, einen Ball in einen Becher voller Bier auf der anderen Seite zu versenken. Treffen sie, muss das Bier von den anderen getrunken werden. Nettes Trinkspiel – nicht nur für Mädels. Vor allem die Deuces-Cracked-Coaches rund um Krantz hatten da kräftig Spaß ), lauschen Livemusik, singen Karaoke, spielen Guitar Hero oder einfach die klassischen Casino-Games. Vor allem die Pokerpartie war extrem lustig dort: Bereits um vier Uhr nachmittags war einer am Tisch am Schlafen, zwei Spieler konnten sich kaum auf den Stühlen halten und ein Engländer stand erst mal lässig auf, während er all-in war, und kotzte draußen auf den Bordstein. Open-Pushes oder Openraise-Größen um die 40 BB gehören genauso zum Repertoire wie Blind-All-ins oder Tablerules à la "Who wins a pot, drinks a shot!".

Meistens spiele ich hier 1/2-, 1/3- oder 2/5-No-Limit in den bekannten Casinos. Mir persönlich gefällt da das Bellagio am besten, jedoch sind die Partien im Wynn oft sehr, sehr gut. Wenn man den paar Regs wie Felix Osterland aus dem Wege geht, gibt es einfach immer genug sehr miese Spieler, die einen ausbezahlen. Mein Spielstil in Vegas ist extrem loose geworden und ich spiele ungefähr jede zweite Hand. Gleichzeitig fühle ich mich manchmal wie ein Showdown-Monkey; Ich kann einfach keine Hand mehr am River weglegen und mache dann auch mal Calls für $100 mit -high, wenn ich der Meinung bin, der Spieler ist schwach. Der durchschnittliche Vegas-Spieler gibt so viele Tells, dass man wahrscheinlich auch "any two cards" profitabel spielen könnte. Um mal ein wenig Poker-Content reinzubringen, hier ein sehr schönes Beispiel:

Game: 1$-2$ No-Limit Texas Hold’em im Bellagio. Min-Buy-in liegt bei $100, Max-Buy-in bei $200 – ~4:30 Uhr morgens in einer gut angeheiterten Runde. Mein Tableimage war zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich extrem schlecht. Ich hatte bereits einige extrem marginale Spielzüge gemacht (dünne Calls am River, extrem dünne Valuebets, All-in-Call preflop mit und einige Pots mit Händen wie gewonnen), erzählte extrem viel Müll am Tisch, benahm mich etwas daneben, war gut angeheitert und raiste praktisch jede zweite Hand. Kurz gesagt: "a stupid German donk!". In dieser Hand saß ich UTG und openraiste, ohne wirklich in meine Karten zu schauen, auf $10. Es callte mich ein extrem tight spielender junger Asiate, der bisher sehr solide gespielt hatte und mir richtigerweise am Button keinen Credit gab, sowie ein völlig besoffener amerikanischer Tourist mit einem Cowboyhut aus dem Small Blind. Dieser netter Geselle war schon einige Hunderter im Minus und war so voll, dass er schon aus Versehen mitten in einer Hand seine Karten umdrehte und das nicht mal bemerkte . Am Flop () checkte der Amerikaner und ich sah meine Karten an: – recht solide Hand für mich zu dem Zeitpunkt und ich machte einen normalen Continuation-Bet in Höhe von $25 – beide callten. Der Turn war eine kleine Blank: . Ich war mir nun nicht mehr sicher, gegen den Asiaten wirklich vorn zu sein, bettete aber dennoch $45, um von dem Amerikaner Value zu bekommen und den Asiaten einen eventuellen Flushdraw bezahlen zu lassen. Dieser callte auch recht schnell und der Amerikaner foldete, nachdem das gesamte Casino die Hand endlich gesehen hatte. Am River kam mit einer eine weitere Blank und ich wollte einen sehr dünnen Valuebet in Höhe von $65 bringen, um eventuell noch von AK oder einem Medium-Pair gecallt zu werden. Plötzlich ging der Asiate für mehr als $350 all-in und ich stand da mit meiner miserablen Hand. Ich verfluchte mich natürlich fürs Openraisen, musste aber nun ja eine Entscheidung treffen. Normalerweise hätte ich dem Asiaten an dieser Stelle mindestens ein höheres Pärchen, evtl. sogar ein Full House oder einen Vierling gegeben. Nun kommt jedoch der Tell ins Spiel. Ich wollte praktisch meine Hand sofort folden, betrachtete aber aus den Augenwinkeln noch kurz den Asiaten und bemerkte, dass er nervös war. Nervosität bedeutet meistens, dass der Spieler eine absolute Bombe hält oder einfach blufft. Ich wurde langsam immer interessierter an dieser Hand und machte einen klassischen Stare-down, um weitere Tells zu erhaschen. Je länger ich also dem Spieler in die Augen sah, umso nervöser wurde er. Ich legte nebenher die $350 schon für den Call zurecht, um ihn weiter nervös zu machen. Das funktionierte sogar so gut, dass der Spieler anfing richtiggehend zu zittern. Erst die Finger, dann die Hand, zuletzt sogar der ganze Körper. Das ist natürlich der klassische Tell für Schwäche und ich machte schließlich den Call und er drehte schockiert für einen kompletten Bluff um. Ich rate also allen Usern, die live spielen wollen, sich unbedingt mit (eigenen) Tells zu beschäftigen!

So genug Pokercontent, nun folgt ein wenig Lifestyle.

Mitlerweile wohne ich seit knapp einer Woche zusammen mit Crazysheep und einigen anderen in einem Haus. Das Ding gefällt mir soweit ziemlich gut und der Pool und der Jacuzzi sind einfach endgeil. So ein Ding brauche ich auch für zu Hause! Um einigen Fragen nach dem Haus zuvorzukommen, habe ich hier mal ein paar Bildchen für euch:

 

 

 

Ansonsten ist das Haus mit nem Pool-Billiard-Table, Entertainment-System, Klimaanlage, Whirlpool, gigantischer Dusche für zwei Personen und einem vollautomatischem Klo (das Ding ist einfach mal völlig übertrieben ^^) recht cool eingerichtet. Wir müssen nur die Putzfrau öfters herbestellen.  

Wie es mir nun die drei Wochen so ergangen ist, wer es geschafft hat, am ersten Abend im Stripclub zu busten, wieso man sich bei seinem nächsten Bad Beat nicht mehr aufregen sollte und wie ein besoffenes Schaf ausschaut, gibt es dann die Tage in einem weiteren Teil zu lesen.

Schöne Grüße aus Vegas

Christopher


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