Tipps und Tricks: Während einer Onlinesession
Von eckesach,
04.10.2009,
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Hallo liebe Intelli-Poker-Mitglieder,
vielen Dank für das überwiegend positive Feedback auf meinen letzten Blog-Eintrag, das gab mir genügend Motivation, um die Fortsetzung für euch zu schreiben. Um eure Erinnerung noch mal aufzufrischen, hier der Link zu meinem ersten Blog:
Trainer-Blog/Eckesach/Vorbereitung einer Online-Session
Warum hab ich mir ausgerechnet diese Themen für den Trainer-Blog ausgesucht? Ich möchte euch einfach eine Möglichkeit geben, die Fehler, die ich in meiner Onlinepoker-Vergangenheit gemacht habe, nicht unbedingt zu vermeiden, aber schneller zu erkennen und abzustellen. Zum anderen ist das eine gute Gelegenheit, Erfahrungen und Informationen weiterzugeben, die ihr zumindest teilweise vergeblich in den Pokerbüchern suchen werdet.
Wen möchte ich erreichen? Alle von euch, die unzufrieden mit ihrer Performance an den Onlinetischen sind und ein paar Anregungen zur Verbesserung brauchen, egal, welches Limit oder welche Pokervariante ihr bevorzugt.
Im Folgenden werde ich euch einen kleinen Einblick in meine persönlichen Erfahrungen geben, wie ich es schaffe (oder zumindest versuche), während einer Session meine Profitabilität abseits vom eigentlichen Spielen der Hände zu steigern. Dazu hab ich den Blog in drei Teile gegliedert:
1) allgemeine Tipps
2) Table-Selection für No-Limit-Hold’em-Cashgame-Grinder
3) Table-Selection für STT-Junkies
MTTs sind eine andere Welt, in der ich mich nicht sehr heimisch fühle, deswegen habe ich den Schwerpunkt auf Sit ‘n’ Gos und Cashgame gelegt. Die folgenden Tipps und Tricks sind nur ein kleiner Auszug von dem, was möglich ist und ich selbst in meiner Spielpraxis anwende, also viel Spaß mit den Infos!
1) Allgemeine Tipps
Tracking-Software
Ich kann mich kaum noch an die Zeiten erinnern, als ich noch ohne die eingeblendeten Stats spielen musste und die kleinen bunten Zahlen nur vom Hörensagen kannte. Jetzt krieg ich immer leichtes Hyperventilieren und Schweißausbrüche, wenn aus Versehen das HUD nicht funktioniert.
Mein Tipp hier: Wenn ihr regelmäßig an den Echtgeldtischen spielt, richtet euch eine Tracking-Software ein und nutzt die Möglichkeiten, eure Hände zu verwalten und zu analysieren, Daten über eure Gegner zu sammeln und diese während des Spielens einblenden zu lassen, eure Bankroll wird es euch danken und eure Gegner euch verfluchen.
Hier ein Link zu einer Serie über Tracking-Programme und deren Anwendung von Kollege Hanno aka jjacky:
Multi-Table-Helper (MTHs)
Egal, welche Pokervariante ihr spielt, einige Sachen sind immer lästig, z. B. viele Tische spielen und Stress mit dem ganzen Klicken der Buttons und Anordnen der Tische zu bekommen. MTHs sind Zusatzprogramme, die euch das Multitablen erleichtern sollen.
Die PokerStars-Software wurde zum Glück in den letzten Monaten so gut weiterentwickelt, so dass ich nur noch ein kleines AutoHotKey-Skript mit Namen „Starsplanner“ brauche, um komfortabel zu spielen. Allerdings bin ich auch kein Extrem-Multitabler, für alle unter euch, die regelmäßig bei Stars per E-Mail anfragen, warum man nur 24 Cashgame-Tische spielen kann, gibt’s komplexere Programme, die einem noch mehr Arbeit abnehmen bzw. wo man Funktionen auf die Tastatur legen kann, Näheres dazu im Software-Bereich in unserem Forum.
Ablenkungen vermeiden
Auch wenn ihr die Checkliste in meinem ersten Blog sklavisch befolgt habt, kann es passieren, dass sich Ablenkungen einschleichen. Versucht einfach, diese so gut es geht zu vermeiden, um nicht von eurem A-Game abzuweichen.
Mein Favorit ist das ständige Nachschauen, wie ich gerade in einer Session stehe. Macht keinen großen Sinn bei einem Spiel, wo sich gute Entscheidungen meist erst langfristig bemerkbar machen. Problematisch aber wird’s dann, wenn ich dadurch versuche, nicht mehr A-Game zu spielen, sondern Gewinne konservieren oder Verluste reinholen möchte und meine Entscheidungen negativ beeinflusst werden. Am besten ist es, ganz die Finger vom Cashier oder der Tracking-Software während einer Session zu lassen.
Weitere Ablenkungen wie Fernsehen, Videos gucken, chatten, im Internet surfen oder Musikhören solltet ihr generell vermeiden, auch in einer Carddead-Phase. Ich hab eine Zeit lang ständig Videos nebenbei laufen gehabt, weil mir mit Pokern allein „langweilig war“, ein gutes Zeichen dafür, entweder die falsche Pokervariante, zu wenige Tische oder zu niedrige Limits zu spielen, hat mich sicher auch den ein oder anderen Dollar gekostet.
Abbruch einer Session
Die professionelle Einstellung eines Onlinespielers wird dann sichtbar, wenn es um das Abbrechen einer Session vor dem selbst festgelegten Sessionende geht. Hier hab ich selbst so viele Fehler in meiner bisherigen Laufbahn gemacht, dass mir immer richtig schlecht wird, wenn ich daran denke, wie viel Kohle mir dadurch vermutlich durch die Lappen gegangen ist. Ich meine damit die Zeitpunkte, wenn ich eigentlich abrechen sollte und es nicht getan habe!
Hier eine kleine Bildergalerie mit leicht überzogenen Situationen, in denen mein Kollege Stan und ich darstellen, wann es besser wäre, die Cashgame-Tische zu schließen und keine weiteren STTs mehr zu öffnen:
Bild 1: Nicht zu lange versuchen, die Verluste wieder reinzuholen!

Bild 2: Nicht beim Pokern einschlafen!

Bild 3: Keine Vendetta gegen bestimmte Spieler führen!

Bild 4: Eine gut gespielte Hand oder gewonnenen Stack
erst nach der Session feiern!
2) Tableselection für No-Limit-Hold’em-Cashgame-Grinder
Das ist ein Thema, mit dem ich mich wirklich lange und ausführlich beschäftigt habe: Wie kann ich die profitabelsten Tische finden? Wo muss ich mich hinsetzen? Wann muss ich wieder aufstehen?
Mein genereller Tipp ist: Betreibt Tableselection! Sucht euch Tische aus, an denen ihr einen Spielvorteil habt, wo schwächere Spieler sitzen, im No-Limit Hold’em ist dies eines der wichtigsten Business-Konzepte, da ihr von einem sehr schlechten Spieler in nur einer Hand seinen gesamten Stack gewinnen könnt (auch ohne die Nuts zu haben), das ist aus meiner Erfahrung wesentlich profitabler als die Fähigkeit, möglichst viele Tische gleichzeitig spielen zu können.
Dafür gibt es spezielle Tablescanner, Zusatzprogramme, die die Statistiken aus eurer Datenbank mit den Tischen und Spielern in der PokerStars-Lobby in Echtzeit verbinden können. Ich benutze den Tablescanner meiner Tracking-Software, filtere nach Spielern mit einem +30-Vpip, +20 Händen und einer Stackgröße von +50 BB fürs Fullring-Cashgame und versuche, Position auf diese Spieler zu bekommen.
Richtig bewusst wurde mir erst, wie wichtig Tableselection ist, als ich in einem Pokerbuch über die Frage des Autors gestolpert bin, wie häufig ein Spieler in einer Session gewöhnlich eine aktive Tischauswahl betreibt. Einige gar nicht? Drei- bis viermal? Wenn ich einen Tisch schließe und einen neuen öffne? Weit gefehlt, die Antwort hat mich damals sehr verblüfft:
Immer beim Setzen des Big Blinds! Wenn er ihn setzt, gesteht er damit praktisch ein, einen spielerischen Vorteil zu haben und die Investition des Big Blinds und Small Blinds im Schnitt mit Gewinn wieder rauszuholen. Durch die Funktion des „Auto-Big-Blind-Postens“ wird aber aus der aktiven Funktion des Setzens des Big Blinds eine passive und das „Aussetzen“ und „Schließen eines Tisches“ ein umständlicher Prozess, der aber ursprünglich höchst passiv war.
Was will ich euch damit sagen? Wenn ihr also pro Orbit einmal in der Theorie eine Tischauswahl betreibt, aber in der Praxis eine Stunde lang an den gleichen vier Cashgame-Tischen sitzt, lasst ihr sicherlich potentiellen Gewinn in Form von noch profitableren Tischen auf eurem Limit aus.
Mein Tipp daher: Macht euch profitable Tische auf, aber kontrolliert regelmäßig, ob sie auch nach wie vor profitabel sind.
In meiner Spielpraxis kann es durchaus vorkommen, dass ich in einer Stunde 20-mal und häufiger den Tisch wechsle, ist zwar stressig, eure Winrate wird es euch aber danken.
3) Tableselection für STT-Junkies
Ein Sit ‘n’ Go beim Spielen zumachen, wenn euch die Gegner nicht gefallen, geht natürlich nicht (geht theoretisch schon, ist nur nicht sehr profitabel …), da müsst ihr dann einfach durch, aber bei der Anmeldung habt ihr schon die Möglichkeit, Einfluss auf den Erwartungswert zu nehmen.
In meiner aktiven SNG-Zeit habe ich mir für meine Limits Excel-Tabellen erstellt und die schwachen sowie die starken Spieler erfasst. Wenn ich während des Spielens einen sehr großen Fehler für viele Chips von einem Gegner gesehen habe, hab ich ihn, mit Fragezeichen versehen, in die Liste eingetragen, Spieler, gegen die ich viele Hände gespielt hatte und die ich als solide Winning-Players ansah, fanden sich ebenfalls in meiner Tabelle wieder.
Vor dem Registrieren konnte ich die Namen der bereits angemeldeten Spieler mit denen in meiner Tabelle vergleichen. Wenn viele schwache und wenig starke Spieler angemeldet waren, hab ich hastig auf „Register“ geklickt und so schon vor dem Spielen meiner ersten Hand meine Chancen auf ein erfolgreiches Turnier erheblich gesteigert.
Mein Tipp: Diese Form der Tableselection lohnt sich, wenn ihr vermehrt auf nur einem Limit spielt, das auch einen relativ übersichtlichen Spielerpool hat.
Soviel zu meinen Infos, wie ihr während der Session euren Profit steigern könnt. Ich erhebe damit keinen Anspruch auf alleinige Gültigkeit, es sind meine persönlichen Erfahrungen und Vorlieben, viele Punkte sind sicher diskutabel und können fast beliebig ergänzt werden. Ich hoffe aber, dass ihr den ein oder anderen Tipp beherzigt und beim Spielen anwendet.
Bitte schreibt mir euer Feedback, Ergänzungen, Fragen und Erfahrungen mit den Ratschlägen als Kommentar und/oder besucht meine Live-Trainings für Tipps und Tricks zum eigentlichen Spielen der Hände:
montags, 21:00 Uhr > STT-Live-Training
donnerstags, 19:00 Uhr > No-Limit-Hold’em-Fullring-Cashgame-Live-Training
sonntags, 19:00 Uhr > No-Limit-Hold’em-Fullring-Cashgame-Handanalysen
Euer Eckesach









